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Mit unseren Broschüren möchten wir Ihnen die Hintergründe Ihrer Erkrankung erläutern und aufzeigen, mit welchen Therapien und aktuellen Behandlungsstrategien sich der Hautzustand langfristig verbessern und Ekzemschübe wirkungsvoll verhindern lassen. Bitte besuchen Sie auch unsere Webseiten!


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Hauterkrankungen

Neurodermitis

Rätselhaftes Immunsystem

Chronisch entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis stellen für die Betroffenen eine starke körperliche wie seelische Belastung dar. Eine Heilung dieser Hautkrankheiten ist bislang nicht möglich, so dass sich die Therapie auf eine Linderung der Symptome beschränken muss. Bei Patienten, die unter schweren Formen der Psoriasis oder Neurodermitis leiden, stoßen die üblichen Salbenbehandlungen oder auch Bade- und Lichttherapien oft an ihre Grenzen. Eine deutliche und langfristige Verbesserung des Hautzustandes lässt sich daher mit diesen äußerlichen Therapien nicht immer erzielen. Auch wenn man immer noch nicht die Ursachen der Psoriais und Neurodermitis in allen Einzelheiten kennt, so weiß man heute doch schon sehr genau, welche immunologischen Abläufe zum Ausbruch dieser chronisch entzündlichen Hauterkrankungen führen. Dies macht es möglich, Substanzen zu entwickeln, die das Immunsystem an gezielten Stellen hemmen und auf diese Weise den Krankheitsverlauf deutlich abschwächen oder sogar zum Abklingen bringen können.

Was ist Neurodermitis?

Rote entzündliche Hautstellen, nässende Bläschen und Schuppung, begleitet von heftigem Juckreiz sind die typischen Symptome einer Neurodermitis. Die Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet, gehört zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Der Begriff Atopie beschreibt die genetische Veranlagung, auf bestimmte Umweltstoffe überempfindlich zu reagieren. Im Falle der Neurodermitis äußert sich die Überempfindlichkeitsreaktion in Form der oben beschriebenen Hautveränderungen. Die Neurodermitis tritt schubweise auf. Der Zeitpunkt des Auftretens und der Schweregrad der Erkrankung hängt von verschiedenen Faktoren ab, auf die jeder Neurodermitiker ganz individuell reagiert. Zu den Provokationsfaktoren zählen Allergene, Nahrungsmittel, Umweltgifte und chemische Einflüsse, Klimafaktoren, mechanische Faktoren, Infektionen sowie psychische Belastung und Stress.

Neurodermitis und Immunsystem

Bei Neurodermitis sind die Ursachen der Erkrankung bislang nicht in allen Einzelheiten bekannt. Ähnlich wie bei der Psoriaisis handelt es sich um eine Störung des Immunsystems. Allerdings richtet sich die Abwehrreaktion nicht gegen körpereigene Zellen, sondern gegen harmlose Fremdstoffe, die irrtümlich als gefährlich eingestuft werden.

Die Reaktionskette läuft zunächst ganz ähnlich ab: Die Langerhanszellen binden die Fremdstoffe, in der Fachsprache als Antigene bezeichnet, und präsentieren Teile davon den T-Zellen. Die T-Zellen setzen daraufhin verschiedene Botenstoffe frei. Unter anderem regen diese Botenstoffe andere weißen Blutkörperchen, die B-Zellen, dazu an, spezielle Antikörper gegen die Antigene zu bilden. Man spricht nun von einer spezifischen Immunreaktion. Die Antikörper, bezeichnet als Immunglobulin E, kurz IgE-Antikörper, setzen sich auf der Oberfläche der Mastzellen fest. Kommen sie dort mit dem passenden Antigen in Kontakt, so schüttet die Mastzelle den Entzündungsstoff Histamin aus. Darüber hinaus spielen von den T-Zellen ausgeschüttete Zytokine und verschiedene gewebsschädigende Substanzen bei der Auslösung und Aufrechterhaltung der Entzündung eine große Rolle. Außerdem ist bekannt, dass die Psyche einen starken Einfluss auf die immunologische Reaktion bei Neurodermitis hat. Bestimmte Nervenbotenstoffe, die Neuropeptide, werden bei psychischen Belastungen vermehrt ausgeschüttet. Offenbar haben diese Nervenbotenstoffe einen direkte Wirkung auf die Langerhanszellen und andere Immunzellen und regen diese zur verstärkten Aktivität an.

Therapie

Der schubweise Verlauf, die unterschiedlich stark ausgeprägten Krankheitszeichen und der persönliche Leidensdruck des Patienten machen eine individuelle Behandlung erforderlich. Angepasst an die akute Krankheitsphase und den Schweregrad wird der Arzt dabei verschiedene Arzneimittel und Therapieverfahren kombinieren.

Bei der Behandlung von Hautkrankheiten wird zunächst immer versucht, die Erkrankung mit einer direkten äußerlichen Therapie der betroffenen Hautregionen in den Griff zu bekommen. Man bezeichnet dies als topische Therapie oder Lokaltherapie, da die Wirkstoffe direkt am Ort der Entzündung wirken. Bei schweren Formen der Neurodermitis reicht die topische Therapie allein häufig nicht aus. Dann sind Medikamente erforderlich, die innerlich wirken und in Form von Tabletten oder Spritzen verabreicht werden. Da das Medikament den gesamten Körper betrifft, nennt man diese Form der Therapie auch systemische Therapie.

Hautärzte gehen meist nach einem vierstufigen Therapieschema vor, bei dem mit zunehmendem Schweregrad weitere Therapiemaßnahmen ergänzt werden.

Stufentherapie bei Neurodermitis

stufentherapie

Auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Praxiserfahrungen erarbeiten Mitglieder medizinischer Fachgesellschaften Therapieempfehlungen, die sogenannten Behandlungsleitlinien. In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Neurodermitis werden diese vier Therapiestufen vorgeschlagen.

Basistherapie

Die regelmäßige Hautpflege bildet die Basis jeder Neurodermitistherapie. In allen Krankheitsphasen, selbst wenn keine sichtbaren Hautveränderungen erkennbar sind, muss man der empfindlichen und trockenen Haut Fett und Feuchtigkeit zuführen, um die Hautbarriere langfristig zu stärken. Die Wahl der Pflegeprodukte richtet sich dabei nach dem aktuellen Hautzustand. Generell gilt: Je trockener die Haut, desto fetthaltiger die Pflege. Außerdem sollten Patienten darauf achten, dass die Pflegeprodukte auf Hautverträglichkeit dermatologisch getestet und für empfindliche Haut geeignet sind.

Topische Therapie

Wenn sich das Hautbild verschlechtert, sich Ekzeme auf der Haut zeigen und der Juckreiz stärker wird, verordnet der Arzt ergänzend zur Basistherapie wirkstoffhaltige Cremes oder Salben. Bei der Wahl des Wirkstoffs und seiner Wirkstärke berücksichtigt der Arzt den akuten Hautzustand, Ort und Ausdehnung der Ekzeme sowie das Alter des Patienten.

  • Topische Glukokortikoide: Glukokortikoide (bezeichnet auch als Kortison) werden bei akuten Neurodermitisschüben wegen ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das vielfältige regulative Funktionen im Stoffwechsel und im Immunsystem übernimmt. Kortisonsalben gibt es in unterschiedlicher Wirkstärke (von Klasse 1 bis Klasse 4). Zur Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern sowie für empfindliche Hautregionen wird der Arzt üblicherweise milde Glukokortikoide verschreiben. Denn insbesondere bei längerer und großflächiger Anwendung können Nebenwirkungen wie z. B. ein Ausdünnen der Haut (Atrophie) auftreten. Bei sachgemäßer Anwendung ist das Risiko von Nebenwirkungen jedoch sehr gering.
  • Topische Calcineurininhibitoren: Calcineurininhibitoren hemmen die Aktivität bestimmter Immunzellen und wirken so gegen die Entzündung und den Juckreiz. Sie haben keinen hautverdünnenden Effekt und sind daher auch für empfindliche Hautregionen und eine großflächigere Behandlung gut geeignet.

Proaktive Therapie

Neurodermitiskranke Haut ist auch in erscheinungsfreien Phasen nicht völlig gesund und neigt zu Entzündungen. Zur Vorbeugung von Krankheitsschüben hat sich ergänzend zur Basistherapie die sogenannte proaktive Therapie bewährt. Das bedeutet, dass die antientzündliche topische Therapie nach Abklingen der Ekzeme in einer niedrigen Dosierung fortgesetzt wird. Auf diese Weise werden bereits minimale Entzündungsreaktionen unterbunden.

Systemische Therapie (Stufe 4)

Lässt sich eine schwere Neurodermitis nicht durch eine topische Therapie kontrollieren, kann eine systemische Therapie angezeigt sein. Die Wirkstoffe, die als Tabletten oder Emulsionen eingenommen oder unter die Haut gespritzt werden, gelangen ins Blut und zirkulieren im gesamten Körper. Dadurch ist ihre Wirksamkeit stärker, doch es steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen. Für die Behandlung der Neurodermitis bei Kindern ist eine systemische Therapie in der Regel nicht geeignet.

  • Orale Glukokortikoide: Um einen akuten Schub zu unterbrechen, kann der Arzt Glukokortikoidtabletten verordnen. Diese hemmen die Entzündungsreaktion und zeigen erfahrungsgemäß eine deutliche Wirkung. Allerdings kann eine längerfristige Behandlung aufgrund der möglichen Nebenwirkungen (u. a. Haut- und Muskelatrophie, Osteoporose, Anstieg des Blutzuckerspiegels) nicht empfohlen werden.
  • Ciclosporin: Ciclosporin, das in Form von Tabletten oder als Mikroemulsion eingenommen wird, ist ein Immunsuppressivum, d. h., der Wirkstoff dämpft die Immunreaktion und hemmt damit auch den Entzündungsprozess. Da Ciclosporin bei längerfristiger Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann (u. a. Beeinträchtigungen der Nierenfunktion), sollte der Arzt die Behandlung regelmäßig überprüfen und die Dosierung individuell anpassen.
  • Biologika: Je gezielter ein Medikament in das Krankheitsgeschehen eingreift, desto besser lässt sich die Therapie kontrollieren und das Risiko von Nebenwirkungen senken. Bei der Behandlung immunologischer Erkrankungen setzt man u. a. große Hoffnungen auf eine Medikamentenklasse, die als Biologika bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Eiweißstoffe, die in den Ablauf des Entzündungsmechanismus eingreifen, indem sie die Wirkung bestimmter Botenstoffe hemmen.

Ergänzende Therapien

Ergänzend zur Stufentherapie haben sich verschiedene nichtmedikamentöse Therapieverfahren bewährt. Sie tragen dazu bei, den Hautzustand zu verbessern, das Immunsystem zu stärken und den Alltag mit Neurodermitis zu erleichtern.

  • Phototherapie (Lichttherapie): Die gezielte Bestrahlung der Haut mit UV-Licht bestimmter Wellenlängen kann zu einer deutlichen Verbesserung des Hautzustandes beitragen. Das Licht setzt verschiedene photobiologische Prozesse in der Haut in Gang und beeinflusst Haut- und Immunzellen. Zur Behandlung der Neurodermitis wird die Bestrahlung mit UV-A1, UV-B-Schmalband und UV-B-Breitband empfohlen. Durch die Einnahme von Tabletten oder die Anwendung von Salben und Bädern, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen, lässt sich die Effektivität der Lichttherapie steigern (PUVA-, Balneo-PUVA-Therapie). Eine Lichttherapie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, das eine übermäßige Bestrahlung zu chronischen Lichtschäden führen und das Risiko für Hautkrebs erhöhen kann.
  • Klimatherapien: Stationäre Rehabilitationsmaßnahmen in Regionen mit Reizklima (Nord- oder Ostsee, Hochgebirge) können in vielen Fällen eine lang anhaltende Besserung der Symptome bewirken. Besonders die Kombination aus erhöhter UV-Strahlung und reiner, kühler, salzhaltiger Luft hilft oftmals, das Hautbild zu verbessern und das Immunsystem zu stärken.
  • Neurodermitisschulungen: Jugendlichen und erwachsenen Patienten sowie den Eltern jüngerer Kinder mit Neurodermitis wird die Teilnahme an einer Neurodermitisschulung empfohlen. Diese Schulungen fördern den eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung und geben wertvolle Hilfestellungen, z. B. Strategien zur Juckreizlinderung und zur Meidung von Provokationsfaktoren. Studien zeigen, dass die Schulungen sowohl zur Verbesserung der Haut als auch zu deutlichen Verbesserungen der Lebensqualität beitragen. Schulungen für Kinder bzw. deren Eltern werden im Regelfall auf Antrag von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
  • Psychologische Behandlung: Patienten mit schweren Formen der Neurodermitis haben einen hohen psychischen und emotionalen Leidensdruck. Die psychotherapeutische Begleitung als Einzel-, Familien- oder Gruppentherapie kann zur Stabilisierung des psychischen Gleichgewichts beitragen und den Patienten bei der Krankheitsbewältigung unterstützen. Teil der Therapie sind z. B. Verhaltenstraining, Selbstsicherheits- und Sozial-training, das Erlernen von Entspannungstechniken und Übungen zur Stressverarbeitung.
  • Stationäre Rehamaßnahmen: Patienten mit starken, immer wiederkehrenden Neurodermitisschüben profitieren oftmals von einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer spezialisierten Rehaklinik. Dort ist eine umfassende Betreuung durch Ärzte und Therapeuten möglich.
  • Selbsthilfegruppen: Der Kontakt mit anderen Betroffenen, die gegenseitige Anteilnahme, der Austausch von Informationen und Erfahrungen ist für viele chronisch Kranke eine wichtige Stütze zur Krankheitsbewältigung. In der Gruppe kommen viele aus ihrer Isolation und gewinnen neues Selbstvertrauen.